Fazit zum PolitCamp090
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Wenn man aus Veranstaltersicht versucht ein Fazit zu ziehen, dann kann das nicht ganz objektiv sein. Zu tief sind die eigenen Eindrücke und zu groß nach wie vor die Anspannung. Selbstverständlich neigt man auch dazu, sich ein bisschen selbst auf die Schultern zu klopfen. Wir versuchen es aber trotzdem!
Rund 100 Tage vor dem Politcamp09 hatten wir die Idee, ein Barcamp zum Thema politische Kommunikation im Internet, Web2.0 im Wahlkampf und ePartizipation zu machen. Zu fast jedem Thema fand bereits ein Camp statt. Im Superwahljahr 2009 liegt es nahe, auch dieses Thema endlich mal in das Barcamp-Format zu gießen.
Nach der ersten Ankündigung wurde schnell klar, dass der Zuspruch groß ist und die Suche nach einer passenden Location wurde aufgrund des Andrangs immer schwieriger. Aber mit dem RADIALSYSTEM V haben wir sicherlich den geeigneten Rahmen gefunden. Ein altes Pumpenwerk mit einem neuen Anbau, die Verbindung von alt&neu passte wie die Faust aufs Auge zu unserem Thema. Die positive Resonanz auf die Location und die fabelhafte Unterstützung des gesamten Teams vom RADIALSYSTEM V zeigt, dass die Entscheidung hierfür richtig war. Das gesamte Orga-Team sagt explizit DANKE an die Geschäftsleitung und die Mitarbeiter vom RADIALSYSTEM V.
Schwieriger war die Suche nach der notwendigen finanziellen Unterstützung. In Zeiten der Wirtschaftskrise eine Veranstaltung, die explizit nicht-kommerziell sein soll und mit politischen Inhalten gefüllt ist, finanziert zu bekommen ist kein leichtes Unterfangen. Nicht alle Pläne konnten daher erfüllt werden. Klar hätten wir auch gerne die ganze Zeit Freigetränke sowie Kaffee und Kuchen angeboten. Aber das war bei dem knappen Budget einfach nicht mehr realisierbar. Den Sponsoren und Medienpartnern, die das Risiko trotzdem eingegangen sind, gebührt unser Dank. Falls jemand hungrig nach Hause gefahren ist, tut es uns leid.
Ähnlich sieht es mit der Internetversorgung aus. Eine Veranstaltung mit 600 Teilnehmern flächendeckend mit stabilem WLAN zu versorgen ist kein leichtes Unterfangen. Vor allem wenn man erfährt, dass maximal 3MBit-Leitungen gelegt werden können. Sorry, wenn es hier und da mal gewackelt hat. Zum Glück hat das Live-Streaming die gesamte Veranstaltung über gut geklappt. Das Team von make.tv und Internetrepublik Deutschland hat tolle Arbeit geleistet und die Tweets an der Twitterwall haben gezeigt, dass uns viele vom heimischen Bildschirm aus verfolgt haben. Insgesamt wurden über 7.000 Tweets während des Wochenende verschickt.
Den entscheidenden Beitrag zum Gelingen des Politcamp09 haben aber die Teilnehmerinnen und Teilnehmer geliefert. Wir hatten an beiden Tagen fast 500 Leute auf dem Camp. Aus ganz Deutschland und sogar aus Österreich sind die Teilnehmer gekommen. In rund 40 Sessions gab es ein breites Spektrum an Themen, die in der Regel sehr ernsthaft, mitunter heiß, manchmal humorvoll und selten bissig diskutiert wurden. Wir wollen keine Session besonders hervorheben. Macht es gerne in den Kommentaren. Falls das ein oder andere Thema gefehlt hat… hey, das ist ein Barcamp, selber machen ist die Devise! Die Sessions aus der Halle können aus dem Video-Archiv abgerufen werden. Wir werden versuchen, möglichst viele der anderen Sessions hier noch zu dokumentieren.
Schwieriger war es, etablierte Politiker aus dem Parteienapparat für dieses Format zu gewinnen. Wir fanden es auch schade, dass sich niemand der Entscheidungsträger der notwendigen Diskussion um die Netzsperren gestellt hat. Umso erfreulicher, dass Kajo Wasserhövel (SPD) und sein CDU-Kollege Stefan Hennewig signalisierten, dass es eine weitere Diskussion zu diesem Thema geben wird.
Die anwesenden Politiker, waren begeistert von der Atmosphäre und werden die Botschaft des Politcamps weitertragen. Und das ist es, wenn wir meinen, dass das Politcamp nicht zu Ende ist. Die Diskussionen gehen auf Twitter und in den Weblogs weiter. Verlinkt gerne auf diesen Beitrag. Die Presse wird sicherlich auch noch den einen oder anderen Beitrag bringen. Auch das versuchen wir zu dokumentieren.
Auch wenn nicht jede Aktion hilfreich war. Das Politcamp09 hat gezeigt, dass es möglich ist, gemeinsam über Partei- und Interessensgrenzen hinweg über (Netz-)Politik und Beteiligung, über die Veränderung demokratischer Prozesse durch das Internet und über die Meinungsbildung im und durch das Internet einen Austausch hinzubekommen. Zwei Tage in Berlin können nicht die Welt verändern, aber sie lieferten Denkanstösse. Wenn Politiker das Internet nicht nur als virtuellen Infostand verstehen, sondern als Dialogmedium, dann sind wir auf dem richtigen Weg.
Da wir mit dem Politcamp09 erst einen kleinen Schritt auf diesem Weg gegangen sind und Dinge erst ins Laufen geraten, wenn weitere Schritte folgen, wird es ein weiteres Politcamp geben. Nicht mehr dieses Jahr. Aber Anfang 2010 irgendwo im Westen unserer Republik. NRW liegt auf der Hand, da dort nächstes Jahr Landtagswahlen sind. Die NRW-Landtagswahl ist immer eine kleine Bundestagswahl und hat in der Vergangenheit durchaus das ein oder andere Mal die politische Landschaft ins Rutschen gebracht. Bis dahin kann man auch die Netzaktivitäten aus dem Bundestagswahlkampf bewerten. Und wer weiß, vielleicht haben wir dann eine Session ähnlich wie die zum Hessen-Wahlkampf diesmal nur über die Bundestagswahl. Wir versuchen die Schwächen des Politcamp Version 0.9 beseitigen und bringen dann im nächsten Jahr die Version 1.0 raus.
Nach dem Politcamp ist vor dem Politcamp. In diesem Sinne: Man sieht sich auf dem Politcamp10!
Foto: Simon Zeimke









